Dem Waldkauz auf der Spur?

Spaziergang in der Abenddämmerung

 

Mit dem Rad fahre ich den Ober-Röder Weg an den Bauernhöfen vorbei, zum Pferdetal runter, bis der Seitenweg mit den Gartengrundstücken kommt.

 

19:50 Uhr Ich stehe vor dem NABU-Wiesengrundstück. Die Sonne wirft abendliche, rotgoldene Strahlen. Der Kirschbaum steht schon länger in Blüte, an einer Stelle auf dem Boden ist Kleines Immergrün frisch aufgeblüht. Ich bin gespannt: wird bald ein Waldkauz aus dem Nistkasten kommen und sich auf die Jagd machen? Viele Waldkauzpaare haben bereits Eier gelegt. Ich stehe dicht vor dem Nistkasten, höre von dort nichts. Auch am Meisennistkasten am hinteren Rand des Grundstücks sehe ich keine Bewegung. Der hängt erst seit 3 Wochen dort. Sollten Meisen eingezogen sein, wird er wahrscheinlich noch nicht so häufig angeflogen, weil noch keine Küken geschlüpft sind. Viele Amseln und Zilpzalpe sind zu hören, eine Singdrossel weiter weg. Mitten auf dem NABU-Grundstück sitzt ein Buchfink auf der mehrstämmigen Grauerle und ruft ausdauernd seinen typischen Regenruf. Von der Fichtenreihe, die das Nachbargrundstück abgrenzt, ertönt der Gesang eines Sommergoldhähnchens.

 

20:05 Uhr Die Dämmerung beginnt. Ein Stieglitzpaar überfliegt das Grundstück. Aus dem Gebüsch eines der Nachbargrundstücke der gegenüberliegenden Wegseite möchte eine Amsel hervorkommen, erschrickt jedoch, als sie mich sieht und hüpft mit erregten Schnatterlauten wieder zurück ins Gebüsch. Ich bemerke, dass die 2 ersten Stechmücken des Jahres um mich herumschwirren. Da ich bereits länger reglos stehe, zirkuliert mein Blut nicht mehr so stark und sie verschwinden. Ein Zaunkönig singt von der Birkenreihe am linken Grundstücksrand eine kurze Strophe. Kurz darauf stimmt nicht weit davon - ebenfalls von einer der Birken - ein Rotkehlchen einen längeren Gesang an. Dort befinden sich ein Reisighaufen und die Holzbeige. Mag sein, dass beide darinnen Nester gebaut haben. Das tun diese Arten gerne. Ihren Gesang stimmen sie dann hoch darüber in Baumwipfeln an, um Fressfeinde abzulenken. Eine Amsel von weiter weg landet auf dem Kirschbaum, hüpft kurz darinnen herum und fliegt dann weiter. Ich schaue gespannt auf das Eingangsloch des Waldkauznistkastens. Noch tut sich nichts.

 

20:18 Uhr 3 mittelgroße Fledermäuse fliegen über dem Weg und dem Grundstück herum. Es ist noch ziemlich hell. Der Zaunkönig singt wieder, diesmal länger. In den Rotkehlchengesang mischen sich Töne von Artgenossen aus umliegenden Revieren. Von den Feldern dringen ab und zu raue Rufe von Nilgänsen und der laute Schrei eines Fasans. Von den Amselgesängen gehen viele in das typische abendliche „Meckern“ über, was jedoch nichts anderes als Warnrufe vor herumschleichenden Katzen oder anderen Fressfeinden sind. Da ertönt im Gebüsch des Gartengrundstücks auf der anderen Wegseite weiter vorn (an der Ecke zum Ober-Röder Weg) ein Vogelgesang, den ich erst einer Singdrossel zuordne und wenig beachte. Aber dann werde ich auf die reibenden, „ratschenden“ Zwischentöne aufmerksam, welche nicht zu einer Singdrossel passen, sondern eher an Rohrsänger erinnern. Für die kleinen Rohrsängerarten klangen die Töne allerdings zu kräftig und zu tief. Diesen Gesang habe ich mir gemerkt und später Zuhause anhand meiner Vogelstimmen-CD überprüft: es war tatsächlich ein Drosselrohrsänger! Diese Rohrsängerart hat annähernd die Größe einer Singdrossel. Doch am Nistkasten unseres diesjährigen Jahresvogels tut sich immer noch nichts.

 

20:35 Uhr Die Dämmerung ist weit fortgeschritten. Viele Vögel verstummen, bis auf ein fernes Rotkehlchen. Die Silhouetten der Bäume beginnen sich vor dem bläulich-violett verfärbten Himmel mit hellgelb angeleuchteten Wolkenschleiern und einem aus der Ferne schwach orange leuchtenden Horizont schwarz abzuzeichnen.

 

20:45 Uhr Es ist so dunkel, man erkennt den Eingang des Nistkastens nicht mehr, hört kein einziges Geräusch darinnen. Ich bin mir sicher: Der Waldkauz ist noch nicht in den Nistkasten eingezogen und gehe nach Hause.

 

© 03.2017 K. C.

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