In den letzten Jahren sieht man immer häufiger eindrucksvolle Verfärbungen an Baumstämmen und an Holzpfosten, so dass man meinen könnte, sie wären angestrichen. An der Lise-Meitner-Straße sind sie direkt nebeneinander zu sehen.
Verursacher des grünen Überzugs sind nicht etwa Moose (die bräuchten zersetztes Totholz als Untergrund), sondern Grünalgen aus der Gruppe Chlorophyta. Auch der rote Überzug wird von einer Grünalgenart verursacht. Die Rotbraune Fadenalge (Trentepohlia umbrina) bildet jedoch im Unterschied zu ihren Verwandten braune Farbstoffe, die sie rostig orange-braun schimmern lässt. Eine andere Trentepohlia-Art (aurea) bildet gelbe Überzüge an Felsen.
Alle Grünalgenarten sind unschädlich für ihre Wirte. Sie dringen nicht ins lebende Gewebe ein, sondern sitzen nur auf der Oberfläche und ernähren sich von Luftfeuchtigkeit und Regen sowie von Sonnenlicht. Algen können selbständig Clorophyll bilden und benötigen daher anders als Baumpilze, die einen Baum durchaus zum Absterben bringen können, keinen Kontakt zu den Saftleitungen des Wirtes. Es ist also nicht nötig, die hübschen Beläge zu entfernen.
© 02.2018 K. C.


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Susanne Klibanskij (Freitag, 13 Februar 2026 21:15)
Seit diesem Frühjahr ist mir die Rotfärbung an Bäumen verstärkt aufgefallen. Leider konnte ich noch keine zufrieden stellende Antwort für dieses gehäufte Auftreten dieser Alge, finden. Ist es eine eingewanderte Alge aus trockeneren und heisseren Gebieten?Oder ist es ein Hinweis auf einen Bestandteil in der Luft der früher nicht so hoch und konzentriert war und was lässt diese Alge plötzlich so präsent sein.
Ich interessiere mich seit geraumer Zeit für Flechten und Moose und bin von deren Vielfalt und Schönheit faszieniert.Vielleicht können sie mir noch weitere Wissensquellen empfehlen oder Interessensgemeinschaften (Foren) nennen. Darüber würde ich mich sehr freuen.
NABU Dietzenbach (Freitag, 13 Februar 2026 21:27)
Das ist eine sehr interessante Beobachtung! Trentepohlia umbrina ist keine Neophytin (eingewanderte Art), sondern in Mitteleuropa heimisch. Ihre zunehmende Präsenz hat jedoch tatsächlich mit Umweltveränderungen zu tun:
Hauptursachen für die verstärkte Ausbreitung:
1. Stickstoffeinträge aus der Luft
Erhöhte NOx-Emissionen (Verkehr, Industrie, Landwirtschaft)
Ammoniak aus der Intensivlandwirtschaft
Diese Nährstoffe wirken wie "Dünger aus der Luft" und fördern das Algenwachstum massiv
2. Klimawandel
Mildere, feuchtere Winter
Längere Wachstumsperioden
Die Alge profitiert von der erhöhten Luftfeuchtigkeit und wärmeren Temperaturen
3. Veränderte Baumrinden-pH-Werte
Früher war saurer Regen (SO₂) dominant → hemmte Algenwachstum
Heute: Weniger Schwefel, mehr Stickstoff → pH-Wert steigt → bessere Bedingungen für Algen
Fazit:
Die verstärkte Präsenz ist ein Bioindikator für Luftverschmutzung durch Stickstoffverbindungen und Klimaveränderungen - ein sichtbares Zeichen der "Eutrophierung der Luft". Besonders an Bäumen entlang vielbefahrener Straßen oder in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten ist sie auffällig.